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20. Mai 2026

Patrick Bergmann

Google I/O 2026: Gemini ist jetzt überall – und das Chromebook ist Geschichte

In knapp zweieinhalb Wochen hält Apple seine WWDC26 ab, aktuell gilt die Aufmerksamkeit der Google I/O. Diese findet traditionell immer wenige Wochen vorher statt und wir nutzen dies, um über den Tellerrand zu blicken. Der Suchmaschinenkonzern hatte ein knackiges Programm. Wie gewohnt gibt es von uns eine knackige Zusammenfassung – und es gibt einiges zu berichten, das Cupertino ganz genau verfolgt haben dürfte.

Gemini, Gemini und nochmals Gemini

Wer gedacht hatte, die I/O 2025 war schon K.I.-lastig, der wurde gestern eines Besseren belehrt. Sundar Pichai ließ keinen Zweifel daran, wohin die Reise geht: Gemini soll keine App mehr sein, die man öffnet, sondern die Schicht, auf der künftig jede Google-Oberfläche ruht – vom Betriebssystem Android über den Browser bis hin zur Suchmaschine und der gesamten Workspace-Suite. Ob das in der Praxis so reibungslos funktioniert, wie es auf der Bühne klingt, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Die Zahlen, die Pichai dabei nachlegte, sind allerdings eindrucksvoll. Die Gemini-App hat 900 Millionen monatlich aktive Nutzer erreicht, mehr als doppelt so viele wie vor einem Jahr. Das neue Modell im Mittelpunkt heißt Gemini 3.5 Flash und ist ab sofort als Standard in der Gemini-App, im Gemini-Suchmodus und in Android Studio verfügbar. Google verspricht viermal höhere Leistung gegenüber anderen Modellen. Auf Gemini 4, das viele erwartet hatten, wartet man derweil weiter.

Android 17 – das Fundament für alles

Wir fangen bewusst nicht mit der Hardware an, sondern mit dem, worauf sie basiert. Android 17 erscheint im Sommer 2026 und ist das Betriebssystem-Fundament, auf dem Aluminium OS, wearOS 7 und Gemini Intelligence gleichermaßen aufbauen. Im Mittelpunkt steht Gemini Intelligence: Die K.I. soll nun lokal auf dem Gerät laufen (Apples Datenschutz lässt grüßen) und alltägliche Aufgaben erledigen – Texte zusammenfassen, Fotos beschreiben, Formulare ausfüllen –, ohne dafür eine Internetverbindung zu benötigen. Allerdings setzt die volle Gemini-Intelligence-Erfahrung mindestens 12 Gigabyte RAM und einen Flaggschiff-Prozessor voraus. Aktuelle Mittelklasse-Geräte bleiben damit außen vor, und das dürfte einen erheblichen Teil der Android-Nutzerschaft betreffen.

Aus unserer Sicht ein längst überfälliges „Feature“: Quick Share wird mit AirDrop kompatibel. Der Dateitransfer zwischen Android- und Apple-Geräten soll damit endlich reibungslos und ohne Umwege über Messenger, Clouds etc. funktionieren, zunächst für Pixel- und Samsung-Galaxy-Geräte bis Ende 2026.  Ebenfalls neu ist Rambler, ein mehrsprachiges Diktierwerkzeug mit integrierter Filterfunktion, das in jedem Textfeld des Betriebssystems funktioniert. Wer hier an Apples Diktierfunktion denkt, liegt nicht ganz falsch – den Alleinstellungsanspruch kann man daraus allerdings noch nicht ableiten.

Gemini Spark – der Assistent, der nie schläft

Neu und bemerkenswert ist Gemini Spark. Dahinter verbirgt sich das, was Google einen K.I.-Agenten nennt – also ein Programm, das nicht auf Zuruf reagiert, sondern selbstständig und dauerhaft im Hintergrund arbeitet, ohne dass man es explizit starten muss. Konkret soll Gemini Spark Termine verwalten, Formulare ausfüllen und Einkäufe organisieren, und das rund um die Uhr. Das klingt praktisch, wirft aber sofort die Frage auf, wie viel Einblick man einem Assistenten in den eigenen Alltag geben möchte. Google betonte die Datenschutzmaßnahmen, konkret wurde man dabei weniger. Gerüchten zufolge arbeitet Apple an einer ähnlichen Funktion für die neue Siri.

Auch in der Google-Suche zieht Gemini als selbstständig arbeitende Funktion ein: Die überarbeitete Suchleiste bündelt Anfragen nach Komplexität und beantwortet sie in einer Übersicht, ohne dass man einzelne Schritte anstoßen muss. Zunächst ist das jedoch Abonnenten von Google AI Pro und Ultra vorbehalten. Wann weitere Nutzergruppen dazukommen, ließ der Konzern aus Mountain View offen.

Das Chromebook ist Geschichte – willkommen, Googlebook

Die vielleicht strukturell bedeutsamste Ankündigung kam bei der Hardware: Google verabschiedet sich vom Chromebook. Der Nachfolger hört auf den Namen Googlebook und läuft mit einem neuen Betriebssystem namens Aluminium OS – wobei Google klarstellte, dass „Aluminium“ lediglich der Entwicklungs-Codename ist und der endgültige Produktname noch folgt.

Was steckt dahinter? Aluminium OS baut konsequent auf Android 17 auf und vereint erstmals Android und ChromeOS in einer echten Desktop-Plattform – mit eigenem Fenstermanager, virtuellem Desktop und Gemini tief in jeder Schicht des Systems integriert. Kein gestrecktes Smartphone-Interface, sondern ein ernsthafter Versuch, macOS und Windows auf dem Laptop herauszufordern. Die ersten Geräte kommen im Herbst 2026 von Acer, ASUS, Dell, HP und Lenovo.

Da sollte Cupertino ganz genau hinschauen: Denn was Google hier unternimmt – ein nahtloses Ökosystem vom Smartphone bis zum Laptop auf einer einheitlichen Plattform –, ist genau das, was Apple seit Jahren mit dem Zusammenspiel von iPhone, iPad und Mac als Alleinstellungsmerkmal vermarktet. Ob Aluminium OS dieses Versprechen einlöst, bleibt abzuwarten. Die Ankündigung allein ist jedoch ein klares Signal. Besonders interessant ist ein Feature namens Magic Pointer: Schüttelt man den Mauszeiger, erkennt Gemini, was sich gerade auf dem Bildschirm befindet, und macht kontextbezogene Vorschläge – zu einem markierten Text, einem Dokument, einem Bild. Das ist kein Gimmick, das ist Gemini als Betriebssystem-Fundament.

wearOS 7 – die Smartwatch wird aktiver

Abschließend erwähnen wir noch wearOS, da wir uns endlich mehr Konkurrenz für die Apple Watch wünschen. Und der Konzern aus Mountain View hat hier tatsächlich etwas zu bieten. Mit wearOS 7, das ebenfalls auf Android 17 basiert, verabschiedet sich Google von den bisherigen Vollbild-Kacheln und ersetzt sie durch flexible Widgets in 2×1- und 2×2-Blöcken – ein Design, das sich nun am Android-Standard orientiert. Das ergibt Sinn, auch wenn es lange gedauert hat.

Dazu verspricht Google eine um rund zehn Prozent längere Akkulaufzeit gegenüber wearOS 6. Das klingt überschaubar, ist aber bei der nach wie vor knapp bemessenen Akkukapazität von Smartwatches durchaus spürbar. Gemini Intelligence soll auf ausgewählten, später in diesem Jahr erscheinenden Uhren Einzug halten – also dem voraussichtlich kommenden Pixel Watch 5 und einem Samsung-Flaggschiff. Dahinter steckt wieder dasselbe Prinzip wie beim Smartphone: Gemini übernimmt Aufgaben selbstständig, etwa einen Lauf in der Fitness-App starten oder eine Bestellung aufgeben, ohne dass man sich durch Menüs wischen muss. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Cupertino ist im Bereich Smartwatches nach wie vor zu Recht Marktführer, doch eine gewisse Trägheit bei watchOS lässt sich nicht von der Hand weisen.

Android XR: Noch immer auf der Suche nach Partnern

Vergangenes Jahr zeigte Google Android XR erstmals mit dem Samsung-Prototypen „Project Moohan“. Nun kamen zwei weitere Brillen dazu: Xreal „Project Aura“ und erste Demos von Samsung, Warby Parker und Gentle Monster. Ein konkreter Marktstart bleibt vage – lediglich Herbst 2026 wurde als Zeitrahmen genannt, wann genau und zu welchem Preis, ließ der Suchmaschinenkonzern offen. In wenigen Wochen stellt Cupertino visionOS 3 vor. Die dritte Iteration eines Betriebssystems, das zumindest in der Praxis bereits existiert. Android XR dagegen sucht noch nach Partnern und Anwendungen. Das Rennen ist damit alles andere als entschieden, aber der Abstand bleibt spürbar.

Wer alle neuen Gemini-Funktionen nutzen will, muss zahlen

Der Trend hatte sich im vergangenen Jahr bereits abgezeichnet und wird von Google 2026 weiterverfolgt: Die fortgeschrittenen Gemini-Funktionen sind zunächst Abonnenten von Google AI Pro und Ultra vorbehalten. Wer alle Tools uneingeschränkt nutzen möchte, wird vom Konzern ordentlich zur Kasse gebeten. Wann und ob die Kernfunktionen für alle Nutzer freigeschaltet werden, ließ Google indes unbeantwortet. Hinzu kommt die bereits erwähnte Hardware-Hürde: Wer die vollständige Gemini-Intelligence-Erfahrung möchte – am Smartphone, am Laptop oder an der Uhr –, braucht ein aktuelles Flaggschiff. Das dürfte den Großteil der bestehenden Nutzerbasis vorerst ausschließen. Wir haben uns diue Freiheit genommen, die Eröffnungskeynote unten zu verlinken.

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